Musik-Kiste  *  KIGA-Musikprojekt

In Schneverdinger Kita „Regenbogen“ läuft seit bald drei Jahren ein Musikprojekt, das für die Beteiligten nicht mehr wegzudenken ist

Schon im Kindergarten Noten lernen

(Artikel aus der Böhme-Zeitung, 2015)

 „No-ah“,sagt Matthias Kroh und formt seine Handflächen bei der ersten Silbe zu einem Hohlraum, um sie bei der zweiten zusammenzuschlagen. Noah und die anderen Kinder der Marienkäfergruppe verstehen sofort. Erst spitzen sie ihre Münder zu einem O, dann öffnen sie sie weit zu einem A. „Jaa-ne“, „Hen-drik“, „Su-ri“ – der Musiker spricht und formt die Silben weiterer Namen, die Kinder tun es ihm nach. Keine Frage: Sie beherrschen das gestikulierte Laute-Alphabet des Schneverdingers.

Der musiziert, singt, tanzt und spielt an diesem Morgen auch nicht zum ersten Mal mit den Kindern im Evangelisch-lutherischen Kindergarten „Regenbogen“. Seit bald drei Jahren leitet er das Musikprojekt in der Schneverdinger Kindertagesstätte. Zweimal die Woche ist er für je eine Stunde zu Gast, durchläuft im Wechsel alle Gruppen. Erst lief das Projekt über das Bundesprogramm Bildung und Teilhabe, jetzt wird es zunächst aus eigenen Mitteln weitergeführt, künftig voraussichtlich mit Förderung.

Die Hände nach oben, die Hände zusammen, die Hände zur Faust. „Hallo, guten Morgen, wir sind schon fit“, singt Kroh mit den Drei- bis Sechsjährigen. Die haben teilweise gut zu tun, die Handbewegungen mitzumachen.

Das ist dem Schneverdinger, der mit Musik sein Geld verdient, bewusst. Und es ist beabsichtigt. „Hände sind für Musik ganz wichtig“, erklärt er. Koordination, Konzentration – das sind Fähigkeiten, die hier gleich mit geübt werden.

Die Beteiligten sind begeistert. „Wir wollen auf keinen Fall mehr auf das Musikprojekt verzichten“, sagt Kita-Leiterin Katrin Schröder. Der Gesamtelternvertreter Torsten Fuchs stimmt dem zu. Er stellt zwei Aspekte heraus. Erstens: „Die Kinder haben Spaß, das erzählen sie zu Hause.“ Dazu komme der Bildungsaspekt: „Musik ist in der frühkindlichen Phase sehr wichtig. Damit werden Sinne angesprochen, die sonst nicht unbedingt erreicht werden.“

Die Kooperation zwischen Kita und Kroh ist eher zufällig zustandegekommen. Es musste kein Musiker gesucht werden – er war schon da. Als Vater eines Kindes machte Kroh ab und zu mit der betreffenden Gruppe Musik und half in KIGA-Gottesdiensten aus. Von der Idee zu einem Musikprojekt war er sofort angetan. Aus der Erfahrung mit seiner eigenen Tochter wusste er, wie viel Spaß das Musizieren Kindern wie Erwachsenen macht. Aber auch Kroh sieht den Bildungsaspekt dahinter: „Musik ist wichtig für das Sprechenlernen.“

Beiläufig Wissen vermittelt

Der Musiker vermittelt im Umgang mit den Kindern auch Wissen. Er macht das nicht als Lehrer, sondern beiläufig. „Wisst ihr, was das ist?“, fragt er die Marienkäfer-Kinder, als er ein großes Instrument mit unterschiedlich langen Holzstäben heranholt. Keine Antwort. Es ist auch ein besonders schweres Wort, das Kroh sucht. „Ein Xylophon“, beantwortet er die Frage selbst. Xylo, das komme aus dem Griechischen und bedeute Holz. Und Phon entstammt der gleichen Sprache und steht für Laut.

Kroh hebt einen der dunkelbraunen Holzstäbe hoch, schlägt darauf und stellt die nächste Frage: „Welcher Ton ist das?“ Diesmal kommt die Antwort postwendend. „Ein C“, rufen mehrere Kinder. Wie haben sie das erkannt, am Klang, an der Länge des Stabes? Die Erklärung ist eine andere: an der Farbe. Kroh hat die Stäbe mit farbigen Punkten versehen, das C hat einen roten, das D einen orangenen, das E einen gelben. Mit den drei Tönen lässt er die Kinder die ersten Lieder spielen.

 

Das zeigt Wirkung: Wenn sie in die Schule kommen, können einige von ihnen bereits die ersten Noten. Viele gehen auch in den Schulchor. Kroh freut das. Es sind die Früchte seiner Arbeit.

 

Für weitere Informationen zum "Regenbogen" einfach dem Link folgen:

www.regenbogen-schneverdingen.de/start-fr-neu.html